Ein ungewöhnlicher Ort, laute Musik und ein starkes Gemeinschaftsgefühl: Am 8. November 2025 wurde die Dreieinigkeitskirche in Nürnberg-Gostenhof zum Zentrum der Metal-Szene. Mehr als 400 Besucher kamen, um beim Sonus Obscura – einem eintägigen Doom-Metal-Festival – dabei zu sein. Die Veranstaltung war Monate im Voraus ausverkauft. Das Festival verband sakrale Architektur mit harten Gitarrenriffs und wurde zu einem besonderen Erlebnis für Publikum und Veranstalter.
Inhaltsverzeichnis:
- Simon Gani und die Idee einer besonderen Konzertstätte
- Herausforderungen beim ersten Sonus Obscura
- Kirche und Metal – eine mutige Kooperation
- November, Musik und Gemeinschaft
Simon Gani und die Idee einer besonderen Konzertstätte
Der Veranstalter Simon Gani, 45 Jahre alt und gebürtig aus Stuttgart, lebt seit zwölf Jahren im Raum Nürnberg. Schon seit seiner Jugend organisiert er Konzerte. Als er vom Umbau der Dreieinigkeitskirche zur sogenannten Kulturkirche erfuhr, war für ihn klar, dass er dort ein außergewöhnliches Musikereignis schaffen wollte. Sein Ziel war es, Menschen zusammenzubringen – ein Gedanke, der auch dem Selbstverständnis der Kirche entspricht.
Die Pfarrerin Anja Fuchs teilt diese Ansicht. Sie leitet die Dreieinigkeitskirche in den Stadtteilen Gostenhof und Seeleinsbühl-Leyh. Besonders schätzt sie die Atmosphäre der Musikveranstaltungen, die Gemeinschaft und Emotionen miteinander verbinden. Am Samstag wurde weniger getanzt, dafür umso intensiver gelauscht, genickt und geheadbangt. Die sieben Bands, darunter Dool aus den Niederlanden und Saturnalia Temple aus Schweden, erfüllten das Kirchenschiff mit schweren, langsamen Rhythmen und melancholischen Klängen. Besucher berichteten von einer einzigartigen Stimmung – ein intensives Zusammenspiel aus Akustik, Licht und Architektur.
Auch andere kulturelle Ereignisse zeigen, wie vielfältig Nürnberg geworden ist. So zieht etwa der Weihnachtszauber in Nürnberg jedes Jahr tausende Besucher an – ebenfalls mit Musik und Atmosphäre, wenn auch in völlig anderer Form.
Herausforderungen beim ersten Sonus Obscura
Die Dreieinigkeitskirche ist ein beeindruckender, aber anspruchsvoller Veranstaltungsort. Zum Schutz der historischen Orgel durften keine Nebelmaschinen verwendet werden, und die bestehende Musikanlage war für Metal nicht ausreichend. Gani musste daher eine externe Anlage besorgen. Zudem standen nur zwei Toiletten zur Verfügung – für über 400 Gäste zu wenig. Die Lösung waren mobile Sanitäranlagen. Auch Rückzugsräume für die Bands fehlten, weshalb temporäre Backstage-Bereiche geschaffen wurden.
Eine weitere Hürde war der zeitgleich beginnende Aufbau des Gostenhofer Adventszaubers, der traditionell einige Tage später als einer der ersten Weihnachtsmärkte in Nürnberg öffnet. Wegen des begrenzten Platzes im dicht besiedelten Stadtgebiet mussten Lösungen für Tourbusse und Transporte gefunden werden. Dank der Zusammenarbeit mit Organisator Kurt Grauberger und der Gemeinde klappte alles rechtzeitig. Das Team um Gani und Fuchs bewältigte sämtliche logistischen Probleme mit großem Engagement. Wer sich für den Beginn der Nürnberger Weihnachtssaison interessiert, findet hier mehr über die Geschichte des Christkindlesmarkts.
Kirche und Metal – eine mutige Kooperation
Der Weg von der Idee bis zur Umsetzung dauerte etwa anderthalb Jahre. In der Gemeinde gab es zunächst Bedenken. Die Sorge galt vor allem möglichen rechtsextremen Inhalten oder Texten, die nicht mit christlichen Werten vereinbar wären. Nach mehreren Gesprächen mit Simon Gani konnte Vertrauen aufgebaut werden. Die Pfarrerin und der Veranstalter einigten sich darauf, dass Musik auch ein Ort der Begegnung und der Offenheit sein kann.
Ein zentrales Kriterium bei der Band-Auswahl war, dass keine diskriminierenden Inhalte vorkommen. Außerdem sollte der Frauenanteil auf der Bühne erhöht werden. Bei vier von sieben Bands standen Sängerinnen im Mittelpunkt. Besonders beeindruckend war der Auftritt von Pardis Latifi von Daevar. Auf der Rückseite ihres Basses stand der Slogan „Women Life Freedom“. Damit setzte sie ein klares Zeichen für Frauenrechte im Iran.
November, Musik und Gemeinschaft
Pfarrerin Anja Fuchs sah in der Veranstaltung eine passende Verbindung zwischen der melancholischen Jahreszeit und der düsteren Klangwelt des Doom-Metal. Der November ist für die Kirche ein Monat des Gedenkens und der Besinnung – Themen, die auch in dieser Musik anklingen. Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag geben Anlass zum Nachdenken über Leben und Vergänglichkeit. Genau das spiegelte sich in der Atmosphäre des Abends wider.
Gani und Fuchs betonten nach dem Festival, dass aus der Dunkelheit des Novembers durch Musik und Gemeinschaft etwas Positives entstehen kann. Das Sonus Obscura soll keine einmalige Aktion bleiben. Die gelungene Premiere zeigt, dass sakrale Räume neue kulturelle Wege eröffnen können.
Nürnberg beweist damit erneut seine Offenheit für kreative Projekte – ob Metal in der Kirche oder große Kulturfeste wie das Nürnberg Pop Festival. Die Stadt bleibt ein Ort, an dem Tradition, Glaube und moderne Kultur aufeinandertreffen.
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Quelle: NordBayern
Ich bin , Absolventin der Hochschule für Musik Nürnberg, und meine Mission ist es, Musik und Stadtgeschehen sichtbar zu machen.